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Lexikos

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Beiträge zu einer kognitiv ausgerichteten lexikographie

U Figge

Abstract


Nach einer "kognitiven Wende" in der Psychologie in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre haben auch Teile der Linguistik und der Psycholinguistik begonnen, sich kognitiv zu orientieren. Hier wird ein Modell zugrunde gelegt, nach dem sprachliche Einheiten auf Einheiten des Gedächtnisses referieren. Einheiten des Gedächtnisses sind zunächst Merkmale, sodann Konzepte, die sich aus Merkmalen konstituieren, und schließlich Gebilde von Merkmalen, Konzepten und Beziehungen zwischen Merkmalen. Eine solche Konzeption entspricht in den Grundzügen zeitgenössischen neuropsychologischen Erkenntnissen. Konzepte manifestieren sich in substantivischen Satzgliedern. Die Bedeutung eines Substantivs ist lexikographisch als Menge von Merkmalen zu beschreiben, und zwar ohne Beachtung der ohnehin schwer zu rechtfertigenden Unterscheidung zwischen semantischem und enzyklopädischem Wissen. Die Bedeutung eines attributiven Adjektivs ist lexikographisch als Merkmal der Konzepte zu beschreiben, die durch die zugehörigen Substantive ausgedrückt werden. Einem Verb liegt ein konverses Netz von Merkmalen zugrunde; es muß lexikographisch dieser Bedeutung entsprechend beschrieben werden. Bei der Beschreibung von Substantiven ist systematisch zwischen echten Substantiven und solchen Substantiven zu unterscheiden, die, meist als Ableitungen, eine verbale oder adjektivische Bedeutung haben. Insbesondere ist zu beachten, daß solche Substantive in Nebensatzäquivalenten die Funktion substantivischer Verbformen haben, daß sie weiterhin auch substantivische Bedeutung annehmen können und daß sie schließlich häufig Konstituenten von Stützverbgefügen sind. Die Bedeutung von Konjunktionen und von Präpositionen in Nebensatzäquivalenten kann nur nach einer exakten grammatischen Analyse verläßlich beschrieben werden. Texte werden unter anderem durch Textgliederungssignale gegliedert, die meist die Gestalt von Adverbien oder Adverbialen haben. Diese Textgliederungssignale müssen lexikographisch systematisch als solche beschrieben werden.

Schlüsselwörter: kognitive linguistik, lexikographie, konzept, merkmal, gedächtnis, semantik, semantisches gedächtnis, semantisches wissen, enzyklopädisches wissen, substantiv, differentia specifica, genus proximum, adjektiv, verb, diathese, konjunktion, textgliederungssignal



http://dx.doi.org/10.5788/11-0-841
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